Jungs blau, Mädchen rosa

Penis und Vagina, was machen Geschlechtsorgane mit Menschen? Damit setzt sich Rebecca Hirschmueller auseinander. Die gebürtige Londonerin wohnt und arbeitet in Berlin, wo die 22-Jährige auch Kommunikationsdesign an der HTW studiert. Die Fotoserie über Non-Binary Menschen entstand innerhalb von zwei Monaten im Rahmen eines Projektes zum Thema Gender. Insgesamt hat die Studentin für ihre Reihe 15 Leute fotografiert und interviewt – und nun ist Rebecca dran.


rebeccaDamit alle mitkommen. Erklär‘ nochmal: Was ist Non-Binary?

Non-Binary Gender ist ein Überbegriff für alle Gender Identitäten die nicht zu den binären Geschlechtern, also zu männlich und weiblich passen.

Wie bist du an deine Arbeit rangegangen?

Wichtig war mir zunächst, das Projekt mit so wenig Vorurteilen wie möglich anzugehen.  Deswegen bin ich auch nicht auf die Straßen und habe mir Leute ausgesucht, von denen ich der Meinung war, sie würden passen, sondern habe über die Sozialen Netzwerke einen Aufruf gestartet.

Und dann haben sich Non-Binary Leute gemeldet. Wie ging es dann weiter?

Wenn ich eine Person zum Fotografieren traf, fing ich zuerst mit einem Interview an. Ich wollte wissen, was für Menschen sich als Non-Binary bezeichnen, wie sie dazu gekommen sind, wie es sich in ihrem Alltag wiederspiegelt und vieles mehr.

Was haben die Menschen so erzählt?

Tabea sagte zum Beispiel:

„Besonders als Kind wurde ich oft für ein Junge gehalten. Aber ich habe das damals eher als Kompliment gesehen. Letztens ist das auch wieder passiert, aber mittlerweile ist mir das ziemlich egal und ich sehe es weder als Beleidigung noch als Kompliment.“

 

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Oder Fynn:

„Es ist einfach ein Gefühl. Die Optionen, die man hat passen nicht, also sucht man nach etwas, das zu einem passt… Wenn man das Richtige gefunden hat, passt es einfach und dann finden sich auf einmal so viele Leute, denen es genau so geht. Das Thema ist wichtig. Bis ich mich mehr damit beschäftigt habe, hatte ich das Gefühl ich sei damit vollkommen allein. Es ist ein legitimes Ding. Es gibt Leute die sich so identifizieren und es sollte nicht so ignoriert werden.“

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Was willst du mit dem Projekt erreichen?

Ich will sensibilisieren. In unserer Gesellschaft wird oft alles in Schwarz und Weiß aufgeteilt. Genau so sieht es auch bei Geschlechtern aus. Sobald man auf die Welt kommt, wird einem gesagt was für Farben man mag: Jungs mögen blau, Mädchen rosa, und es ist klar, wie der Menschen je nach Geschlecht sich zu verhalten hat – Mädchen sind sanft, Jungs sind wild.

Und das ist Quatsch sagst du…

Ja, denn dabei ignorieren viele, dass das biologische Geschlecht (das, mit dem man geboren wird) unabhängig ist von der Geschlechteridentität (das Geschlecht/Gender dem man sich zugehörig fühlt) ist.  Wir werden alle in rosafarbene und blaue Schubladen gesteckt, obwohl es ein riesiges Spektrum an Genderidentitäten zwischen und außerhalb von „männlich“ und „weiblich“ gibt. Zwei Oberbegriffe dafür sind die Wörter „Transgender“ und „Non-Binary“ und denen widme ich mich.

Wieso ist das wichtig?

Menschen, die eine Non-Binary Identity haben, werden oft übersehen. In meiner Fotoserie möchte ich die verschiedenen Facetten zeigen, die sich innerhalb des Genderspektrums befinden.  Ich habe auch entschieden, auf den Fotos nur den Namen der jeweiligen Person dazuzuschreiben, und nicht noch einmal extra eine spezifischere Gender Identität (wie z.B. Transgender, Genderqueer, Genderfluid, Agender,…). Denn es geht nicht um das Rätseln, wer welches Geschlecht hat, sondern vielmehr darum mit Neutralität zurecht zu kommen. Wir sind doch normalerweise sehr abhängig von Namen und Pronomen.

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©Fotos Rebecca Hirschmueller 

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