Kampfzone der Geschlechter

Frauen dürfen in Deutschland seit 1919 wählen und sind seit 1949 im Grundgesetz gleichgestellt vertreten. Aber bis 1977 mussten Frauen auch noch in der Bundesrepublik ihren Ehemann um Erlaubnis bitten, um arbeiten zu gehen. Das ist Geschichte, aber Diskussionen um Geschlecht und deren Rollen Alltag. Das Frankfurter Städel Museum widmet dem gesellschaftspolitischen Dauerthema eine Ausstellung. “Geschlechterkampf” zeigt die spannungsgeladene Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst in der Zeit des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die 150 Werke, u.a. von Frida Kahlo, sind noch bis zum 19. März 2017 zu sehen.

Die Künstler*innen der Moderne reagierten kontrovers auf Geschlechtermodelle. Ob in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film – Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren wurden ganz unterschiedlich behandelt: Manche schufen ihre Werken mit überzogene Charaktereigenschaften der Geschlechter oder untermauerten stereotype Rollenbilder. Andere griffen gängige Klischees an und versuchten, diese durch Strategien wie Ironie, Überzeichnung, Maskerade und Hybridisierung aufzubrechen. Die Geschlechterdifferenz – basierend auf einer traditionellen Assoziation von männlich und weiblich mit Begriffen wie aktiv/passiv, rational/emotional, Kultur/Natur, Staat/Familie – wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer stärker herausgearbeitet und hat nicht nur die ökonomischen, sozialen und politischen Strukturen, sondern auch die Kunst maßgeblich geprägt.

„In den Bildern der Ausstellung lässt sich nachvollziehen, inwiefern die Frauendarstellungen immer überzogener werden, je stärker die Emanzipationsbestrebungen, ihr Echo in der Öffentlichkeit und die vermeintliche Gefahr, die von ihnen ausgeht, wahrgenommen werden. Kurz gefasst, könnte man vielleicht sagen, dass die zunehmende Verobjektivierung der Frau in der Kunst einhergeht mit ihrem zunehmenden Selbstverständnis als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft,“, erklärt Felicity Korn, die gemeinsam mit Felix Krämer die Ausstellung kuratierte.

Die Ausstellung baut auf dem Sammlungsbestand des Städel Museums auf, der mit Gemälden von Max Liebermann, Edvard Munch und Franz von Stuck, Skulpturen von Auguste Rodin sowie Fotografien von Frank Eugene oder Claude Cahun wichtige Positionen in Bezug auf diese Thematik umfasst. Anhand von bedeutenden Leihgaben werden bekannten Namen der Kunstgeschichte wie Hannah Höch, Édouard Manet, Gustav Klimt, Otto Dix oder Frida Kahlo gezielt kunsthistorische Entdeckungen zur Seite gestellt, die den Kanon um aussagekräftige Positionen erweitern, darunter Arbeiten von Leonor Fini, John Collier oder Gustav Adolf Mossa.

Geschlechterkampf, Mossa_Sie_1905
Geschlechterkampf, Mossa_Sie_1905

Das Kuratorenteam bemühte sich, sowohl weibliche als auch männliche künsterische Positionen zu zeigen: “Allerdings haben deutlich weniger Künstlerinnen das Thema behandelt – vor allem im 19. Jahrhundert –, was natürlich auch auf ihre Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Die in der Präsentation gezeigten Werke von Frauen sind umso spannender, denn erstaunlicherweise reagierten Künstlerinnen häufig mit Ironie und Humor auf die Thematik – obwohl sie selbst direkter vom Geschlechterkampf betroffen waren“, so Felicity Korn.

Die Ausstellung Geschlechterkampf ist im Frankfurter Städel bis zum 19. März 2017 zu sehen.

Textquelle und Fotos von Städel Museum/Presse 

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