STRAIGHTe Fragen an Schriftstellerin Patricia Hempel Metrofolklore

Schriftstellerin Patricia Hempel am 17. November in der STRAIGHT Box

“Metrofolklore” heißt der Debütroman von Patricia Hempel. Die Story: Eine feingeistige wie paradoxe Studentin, die sich in ihre Kommilitonin verknallt und im echten Leben eine Freundin hat, mit der sie ein Kind bekommen will. Mehr über die Berliner Autorin Patricia Hempel in unserem STRAIGHT Fragebogen.

Wer bist du?

Im besten Fall genau das, was ich von mir selbst erwarte – hin und wieder klappt das natürlich nicht.

Warum eigentlich Frauen?

Die Frage hat sich mir wirklich noch nie gestellt. Vermutlich, weil sich meinen Eltern die Frage nie aufdrängte. Auch nicht, als mich meine Mutter mit 17 vor dem verspiegelten Kühlschrank mit Eiswürfelfunktion überraschte. Meine erste Freundin mochte nämlich Eistee ganz gerne.

Was ist dir wichtiger: lieben oder geliebt zu werden?

Ich glaube, beides ist mir ziemlich gleich wichtig. Denke sogar, wenn das eine oder eben andere zu extrem gelebt wird, kann das ungesunde Züge annehmen. Thank god I’m 35!

Kennst Du die zehn Gebote und was hältst Du von ihnen?

Die Gebote 4 bis 10 sind doch etwas! Als gelernte Historikerin könnte ich aber jetzt zum Thema Religionskritik oder zur Bibel als politisches Manifest einen ultimativen Essay schreiben. Grundsätzlich steckt in jedem der Gebote eine gute Haltung, finde dann aber doch die Attitüde „Ich soll“ etwas nicht tun, ein wenig dogmatisch. In jüdischer Tradition heißt es dann an mehreren Stellen „Ich werde nicht“, das klingt dann schon etwas erwachter.

Wann reißt du dich zusammen?

Ungerne, aber jedes Mal, wenn ich im Vorfeld weiß, es wird ohne mein Zutun ausarten. Oder am Tag ausgereizter Deadlines.

Welche Stadt gefällt dir am meisten – und warum?

Das ändert sich ständig. Manchmal ist es eine Stadt, die ich besucht habe und mich in ihr monatelang angekommen fühlte, so wie Reykjavik, oder eine Stadt, in die ich etwas hineinprojiziere (Lahaina auf Maui zum Beispiel). Aber Berlin ist in vielerlei Hinsicht ein Evergreen, möglicherweise auch, weil ich hier geboren bin. Die Stadt ist anstrengender als früher, und manchmal provinzieller als ihr Image, aber dankbar.

Mit welchem Anmachspruch hattest du am meisten Erfolg?

Meistens wurde eher ich angemacht – ohne Scheiß! Ich bin auf eine sehr extrovertierte Art total schüchtern. Irgendwann meinte ich mal zu einem Mädel, sie sähe aus wie ein nordfranzösischer Kreidefelsen. Gezogen hat das natürlich nicht, aber vergessen hat sie die Bemerkung auch nicht. Bei einem Essen unter Freunden erinnerte sie mich erst vor Kurzem an den Spruch und ich glaube, es war mir im Nachhinein unangenehmer als damals ihr. Ich denke, Komplimente sind nutzlos, besser funktionieren Feststellungen. Die müssen nicht mal positiv sein.

An welchem Kleidungsstück hängst du besonders?

Das ist einfach: Ein grau-roter Kapuzenpullover von Bergans! Hielt mich vor 7 Jahren auf dem besten Hikingtrip meines Lebens im äußersten Nordwesten Islands warm. Und wird nur per Hand gewaschen! Nicht zu vergessen die Socken, die meine Oma gestrickt hat, als sie es noch konnte!

Welchen Tick hast du nachweislich?

Klingt komisch, aber wenn ich Wein trinke, muss man mich daran erinnern ihn runterzuschlucken. Irgendwie lasse ich das Zeug mindestens 10 Sekunden in meinem Mund. Schlecht bei Rotwein …

Wem und von wo hast du das letzte Mal einen handgeschriebenen Brief geschrieben?

Das letzte Mal war es ein Brief per Einschreiben aus Neukölln an Frau Geyer vom Finanzamt Neukölln.

Was trägst du zum Schlafen?

Nichts.

Welcher Song bringt sich zum Weinen?

Renaissancemusik und polyphone Gesänge machen mich manchmal fertig, weil es beinahe nichts Perfekteres gibt. Ansonsten ist es schon etwas her. Ich erinnere mich aber an zwei Songs, zu denen ich nicht aufhören konnte: Sinnéad O’Connor „Troy“ und „I’ll Be Here in the Morning“ von Townes Van Zandt.

Welche Bücher liest du zweimal?

Bisher ist mir das nur bei „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider und Nabokovs „Lolita“ gelungen. Nein, stimmt nicht: Krieg und Frieden auch.

Wie löst du Konflikte?

Ganz schlimm: Ich versuche sie zu vermeiden oder die Lösung aufzuschieben! Nicht gut …

Lebst du Plan A oder Plan B?

Ich glaube, ich lebe inzwischen Plan C und bereue weder A noch B.

Am 17. November 2018 ist Patricia Hempel unser Gast in der STRAIGHT BOX bei Girlstown im Club Gretchen.

Patricia bei STRAIGHT Podcast. Hör’ rein!

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