Supay - Lesben in Peru

Supay – Frauenliebe in Peru

“Supay” ist der erste in Cusco, Peru, realisierte Film mit LGBT-Thematik. Die Erfahrungen von Mitgliedern der peruanischen Frauenrechtsbewegung Kachkaniraqmi inspirierten die Filmemacherin Sonia Ortiz, die die dramatische Liebesgeschichte von Valya und Paz erzählt. In Peru sind Homosexuelle brutalen und meist strafrechtlich nicht verfolgten Anfeindungen und Attacken ausgesetzt. Sogenannte “korrektive Vergewaltigungen”, mit denen lesbische Frauen für ihr vermeintliches Fehlverhalten bestraft werden sind an der Tagesordnung. Zudem gibt es keinen Zugang zu legalen und sicheren Abtreibungen für Vergewaltigungsopfer. Die gebürtige Saarbrückerin Sonia Ortiz darüber, warum es ihren Film geben muss.

Sonia Ortiz, Filmemacherin
Sonia Ortiz, Filmemacherin

Wie bist Du denn zu diesem Filmprojekt gekommen?

Ich habe nach dem Abitur in Peru gelebt und bin regelmäßig dort. Meinen Produzenten Diego Sarmiento habe ich vor zwei Jahren auf der Berlinale getroffen. Er und sein Bruder Alvaro waren sehr interessiert an einer internationalen Zusammenarbeit. Im Rahmen der Recherchen zu einem anderen Drehbuch bin ich auf die Seite von Kachkaniraqmi gestoßen, einer feministischen Lesbenbewegung aus Cusco. Die Erlebnisse, die die Frauen dort teilen schrieen danach erzählt zu werden, weshalb ich beschloß das ursprünglich geplante Projekt in die Schublade zu legen und an dem Drehbuch für “Supay” zu schreiben.

Können zwei Frauen selbstverständlich in Peru Händchen haltend durch die Straße laufen?

Absolut nicht. Das ist ein Spießrutenlauf, selbst in der Hauptstadt Lima. Viele Frauen halten ihre Beziehung deshalb geheim.

Wir würdest Du die Gesamtsituation von nichtheterosexuellen Menschen dort einschätzen? Stichwort korrektive Vergewaltigungen.

Homosexualität ist zwar legal, Homophobie ist jedoch in der Gesellschaft stark verankert. Die katholische Kirche übt starken Druck aus, um zu vermeiden, dass sich daran etwas ändert und allgemein ist der Glaube vertreten, dass es sich bei Homosexualität um eine Störung handelt, die geheilt werden kann und sollte. Es sind zahlreiche Fälle von sogenannten “korrektiven Vergewaltigungen” bekannt, das heißt Fälle, in denen Frauen vergewaltigt wurden, um sie von ihrer Homosexualität zu heilen.

Gibt es dafür ein Unrechtsbewusstsein in Peru oder ist die Mehrheit im Gedanken verhaftet, die Homos sind krank und müssen tatsächlich über Vergewaltigungen korrigiert werden?

Sicher befürworten nicht alle den Einsatz von Gewalt. Die Frauen stoßen jedoch in Institutionen und teilweise bei ihrer Familie auf Verständnislosogkeit, wenn sie Konsequenzen für die Täter  fordern. In Arequipa wurde eine Frau von ihrem Onkel vergewaltigt, ihre eigene Mutter bat sie die Tat nicht anzuzeigen. Es gibt viele Berichte von Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten und wieder nach Hause geschickt oder so schickaniert wurden, dass sie selbst von einer Anzeige abgesehen haben.

Beziehen sich solche Maßnahmen nur auf Frauen? Wie geht es den Schwulen in Peru?

Deren Situation ist ähnlich. Wer offen schwul lebt setzt sich Anfeindungen und Attacken aus.

Juckt das die Politik?

Es gibt zwar ein vom Ministerio de la Mujer y Poblaciones Vulnerables MIMP (Ministerium für Frauen und gefährdete Bevölkerungen) in den Provinzhauptstädten geleitetes Projekt für die LGTB Community, da im Strafgesetzbuch Homophobie keinen Straftatbestand darstellt können die Einrichtungen außer Sozialassistenz und psychologischer Beratung für Vergewaltigungsopfer keine weitere Hilfe anbieten. Vorschläge zu Gesetzesänderungen werden immer wieder abgelehnt.

Euer Film wurde inspiriert von Erfahrungen von Mitgliedern der peruanischen Frauenbewegung. Was haben die erzählt?

Die Geschichten sind haarsträubend. Insbesondere die Frauen, die auf der Straße für ihre Rechte demonstrieren und in den sozialen Netzwerken aktiv auf ihre Situation aufmerksam machen werden permanent mit Schlägen, Vergewaltigung oder sogar dem Tod bedroht. Hinzu kommt dass Unverständnis der Familie, wenn sich eine Frau outet.

supay-plakat
Supay

Welche Reaktionen habt ihr bei den Dreharbeiten und in Vorbereitung auf den Film erhalten?

Ich war auf ehrlich gesagt mental auf sehr viel Widerstand gegen das Projekt vorbereitet, zudem es ja der erste Film mit LGTB Thematik ist, der je in Cusco gedreht wurde. Wir haben aber erstaunlich viel Unterstützung bekommen, auch von Menschen, die grundsätzlich gegen Homosexualität sind. Es gab da eine Person im Team, die uns mit viel Liebe und Enthusiasmus bei den Dreharbeiten unterstützt hat. Ich habe dann erst nach einiger Zeit der Zusammenarbeit erfahren, dass auch sie glaubt, dass Homosexualität heilbar ist. Wir waren etwas in Sorge, als wir die Erlaubnis vom Kultusministerium beantragen mussten, um das Kulturzentrum San Bernardo in Cusco als Proben- und Drehort nutzen zu können. Man muss dazu ein Kurzkonzept einreichen. Erfreulicherweise gab es da keine Probleme. In Peru läuft viel über private Sponsoren, diese scheuen sich natürlich mit der Themati in Verbindung gebracht zu werden, weshalb unser Crowdfunding so wichtig für die Fertigstellung des Films ist. Allgemein habe ich sehr stark den „Ausländerbonus“ zu spüren bekommen. Wenn ich über den Film gesprochen habe stieß ich eher auf verwundertes Interesse, als „verrückte Gringa“ wird man nicht so sehr als Bedrohung angesehen, zudem haben die Menschen eine sehr hohe Meinung von Deutschland. Das hat mir vieles vereinfacht, mich aber auch oft traurig gemacht. Ich würde mir wünschen, dass die einheimischen Frauen vor Ort mit demselben Respekt behandelt werden.

Was war für Dich als Regisseurin die Herausforderung bei diesem Film?

Ich wollte, dass dieser Film nicht eine europäische Sichtweise widerspiegelt, sondern authentisch ist und die  Schönheit und den kulturellen Reichtum Perus zeigt. Symbole aus der Andenkultur zu finden, die mit der Liebe von Valya und Paz  verbunden sind, war mir ein großes Anliegen, das viel Recherche und Beratung erforderte. Vor der Kamera zu stehen und gleichzeitig Regise zu führen war nicht immer einfach, zum Glück hatte ich mit dem peruanischen Schauspieler Cristhian Esquivel einen wunderbaren und sehr erfahrenen Regieassistenten an meiner Seite.

Inwiefern kann Dein Film etwas bewegen für die LGBTQ-Menschen in Peru?

Ich bekomme begeisterte Unterstützung von der LGBTQ-Community in Peru und sehe mich sehr in der Pflicht diese Geschichte als Symbol für die tagtäglichen Geschehnisse in die Welt zu tragen. In Peru ist die LGBTQ-Community gut vernetzt, wenn dieses Netzwerk international wird gibt es mehr Mittel und Wege langfristig Druck auszuüben, um Gesetzesänderungen zu erwirken und Homophobie endlich als Straftatbestand zu werten.

Das Projekt von Sonia braucht Unterstützung. Damit der Film in der Postproduktion fertig bearbeitet werden kann, läuft bei Kickstarter eine Crowdfunding-Kampagne

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