Lesbisches Paar mit Kind - die Exoten unter den Familien

Zwei Mütter mit Sohn

Happy Family: Anja, Nicole und Sohn Valentin sind eine Familie. Die beiden Frauen sind seit 2,5 Jahren Mütter. Als lesbisches Elternpaar sind sie eine Rarität auf dem Familienmarkt. Nur etwa zwei Prozent der Kinder in Deutschland werden bei gleichgeschlechtlichen Eltern groß, sagt statista. Wie es sich anfühlt, ein Exot im Kosmos Familie zu sein, das kennen Anja und Nicole gut.

Ihr zelebriert eure Liebe im Video-Hochglanzformat und mit eigener Website. Warum tut ihr das?

In erster Linie um Klischees und Berührungsängste abzubauen. Denn die gibt es ja leider nach wie vor in unserer Gesellschaft. Und die einzige Möglichkeit denen entgegenzuwirken, sind Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz. Deshalb lassen wir die Öffentlichkeit an unserem Familienleben teilhaben und zeigen unsere Normalität.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Seitdem wir ein Paar sind werden wir zu unserem Privatleben regelrecht gelöchert. „Wie seid ihr denn schwanger geworden“ oder „Wann erklärt ihr eurem Kind eigentlich, wer der Vater ist“, waren die meist gestellten Fragen. Relativ schnell wurde uns klar, dass die Unwissenheit rund um das Thema „lesbisch sein“ recht groß ist. Und auch das Internet war da keine große Hilfe. Denn dort fanden wir nur recht spärliche Antworten zu all den essentiellen Fragen oder wurden oftmals mit negativen Erfahrungen konfrontiert. Das wollten wir unbedingt ändern und deswegen haben wir unseren Blog www.frauundfrauw.de ins Leben gerufen.

Für viele lesbische Paare ist es ein Kraftakt ein Kind zu bekommen. Wie habt ihr die Phase erlebt?

Für uns war das kein Kraftakt, sondern die wunderbarste Reise unseres Lebens. Wir sind beim ersten Mal schwanger geworden. Wir haben ein gesundes, fröhliches und sehr entspanntes Kind. Unser Adoptionsverfahren war kein steiniger Weg. Ganz im Gegenteil. Zu keiner Zeit wurden wir diskriminiert oder uns das Gefühl gegeben, anders zu sein. Den Menschen, denen wir auf diesem Weg begegnet sind, waren und sind offen, tolerant und hilfsbereit. Das ist ein unglaubliches Glück, für das wir enorm dankbar sind.

Was hat euch geholfen alles zu packen?

…unsere Liebe und der Glaube daran, zusammen ALLES zu schaffen!

Mütter dank “offener Spende”

Die Mamas mit dem Sohn

Inwiefern wird euch von außen gespiegelt, dass euch der Papa fehlt?

Eigentlich gar nicht. Wir sind eben zwei Mütter. Für unser Umfeld ist das mittlerweile völlig normal. Die einzige Frage, die uns Menschen stellen ist, wann wir unserem Kind denn eigentlich erzählen, wer sein Erzeuger ist. Das werden wir tun, sobald er uns danach fragt. Außerdem haben wir uns bewusst für eine „offene Spende“ entschieden. Heißt: wenn unser Sohn 18 Jahre alt ist, kann er selbst entscheiden, ob er ihn kennenlernen möchte oder nicht.

Wie sieht eure Rollenverteilung aus?

Bei uns gibt es keine klassische Rollenverteilung. Wir sind ein Liebespaar, beste Freundinnen und eben Mamas. Wir kümmern uns absolut gleichberechtigt um unser Kind und alle anderen Dinge des Alltags. Aber uns wurde tatsächlich schon die Frage gestellt, wer bei uns eigentlich der Mann in der Beziehung ist. Auf den ersten Blick eine sehr merkwürdige Frage. Aber dahinter steckt einfach das Bedürfnis, Menschen in Schubladen zu stecken. Das macht es einfacher „Fremdes“ zu greifen und besser einzuordnen.

Was gibt es sonst für Reaktionen auf euch als Familienkonstrukt so im Alltag?

Durchweg positive Reaktionen. Wir haben das große Glück, in einem sehr toleranten Umfeld zu leben. Wir wurden vor Diskrimierungen bisher glücklicherweise komplett verschont. Wir machen aber auch kein Geheimnis aus unserem Familienmodell, sondern gehen ganz offen damit um. Wir beantworten alle Fragen, egal wie komisch sie auch sein mögen. Zudem sind wir beide zutiefst positive Menschen. Vielleicht sind das alles Gründe dafür, dass es das Leben so gut mit uns meint.

Wie sind die Reaktionen auf euren Blog?

Das Feedback ist wirklich enorm. Wir bekommen täglich viele persönliche Nachrichten von Menschen, die sich durch unsere Geschichte angesprochen fühlen. Die uns am Rat fragen und unsere Erfahrungen wissen wollen. Mittlerweile ist unser Blog „Frau und Frau W“ und auch unser Instagram- Account zu einer Plattform des Erfahrungsaustauschs geworden. Aber auch auf unserem YouTube- Channel, den wir parallel ins Leben gerufen haben, bekommen wir viele positive Rückmeldungen. Vor allem von jungen Menschen, denen unsere Aufklärungsvideos Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist einfach großartig!

 

Keine Feministinnen, keine Lesben

Euer Modell ist durch und durch weiblich. Seid ihr auch Feministinnen, die sich so bezeichnen?

Nein. Wir sind keine Feministinnen. Wir sind sehr für Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Aber das nicht nur, wenn es um die Belange von Frauen geht, sondern auch die von Männern. Ausserdem tun wir uns grundsätzlich mit einer Kategorisierung oder gar Zuordnung eher schwer. Das geht uns im Übrigen auch mit dem Begriff „Lesbe“ so. Also wir sind zwei Frauen, die nicht von Geburt an lesbisch sind. Sondern haben beide jeweils in langjährigen Beziehungen mit einem Mann gelebt.

Wenn ihr eine politische Forderung durchsetzen könntet, wie würde diese lauten?

Ganz klar: die „Ehe für Alle“. Denn die ist längst überfällig in Deutschland. Erst vor Kurzem haben wir wieder eine Petition dazu unterschrieben. Und auch das Adoptionsgesetz sollte zugunsten von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare geändert werden.

Welches Vergehen könnte euch in den Frauenknast von Litchfield und den anderen Insassinnen von Orange Is the New Black bringen?

…Anja´s Fahrstil 🙂

Hier geht es nach Litchfield: Die neuen Folgen von Orange Is the New Black bei Netflix. 

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